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Interview mit B.Fuse

Wir haben ein kleines Gespräch mit ihm geführt

WSL Team: Hallo Christian, wie geht’s und was macht die (deine) Musik zurzeit?

B.Fuse: Ja danke mir geht’s prima. Ich fange gerade an mich auf Wasserburg Leuchtet vorzubereiten und die Tracks für das set was ich spielen werde, auszusuchen und sie in die richtige Reihenfolge zu bringen.

WSL Team: Du bist von Anfang an dabei und hast unser Wasserburg Leuchtet wachsen sehen.

B.Fuse: Ja das stimmt, aber ich hab Wasserburg Leuchtet um ehrlich zu sein nie ernsthaft selber sehen können. Ich bin da immer sehr beschäftigt an diesem Tag (lacht).

WSL Team: Bist du schon aufgeregt?

B.Fuse: Naja, ein bisschen Routine hab ich ja bereits, aber manchmal wache ich morgen auf und denke, upps jetzt sind es nur noch knapp 4 Wochen bis dahin. Vergeht verdammt schnell so ein Jahr. Aber ich denke ich muss mir keine sorgen machen. Das klappt schon alles wie jedes Jahr. Das Lampenfieber kommt erst kurz vorher (grinst).

WSL Team: Viele Leute fragen immer, was macht der eigentlich da oben auf der Bühne. Steht völlig in sich gekehrt auf der Bühne, dreht hier ein bisschen an einem Regler, dann da und wechselt zwischendurch die Schallplatten, ohne das die Musik einmal unterbricht. Was machst du da genau und wie funktioniert das „Auflegen“ bei dir als DJ und was unterscheidet Dich von einem „herkömmlichen“ DJ???

B.Fuse: Nun ja, ich gehöre eher zu den Club-DJ´s. Und diese Art von DJ, bringt die Musik (die Engländer sagen) „in the Line“. Das heißt Mixe eine Platte nach der anderen in einander und der Zuhörer hat das Gefühl ein einziges Stück zu hören. Ohne ein Ende ohne Anfang. Zumindest haben die Einzelnen Stücke kein Ende oder einen Anfang. Ich mixe ein so genanntes „Set, eben „in Line“ hintereinander oder ineinander. Mach teilweise aus zwei Stücken, ein Neues. Dieser Moment des Mixens ist immer absolut einzig. Sprich, so wie es in dem Moment gemixt wird, wird es wahrscheinlich nie mehr gemixt. Es ist life und absolut einzig in der Sekunde während des Mixes.

WSL Team: das klingt sehr anstrengend, wenn du das 4 – 5  stunden tust.

B.Fuse: Ja das ist richtig. Ich bin jedes Mal völlig platt nach Wasserburg-Leuchtet. Normalerweise dauern Sets maximal 3 stunden. In der Regel eher 1 – 2 stunden.

Es ist ein permanenter Konzentrationsprozess. Jedes Stück was ich spiele ist mit einer anderen Geschwindigkeit produziert. Im Drumn Bass sind das ca. 168 – 178 bpm (Beats pro minute). Ich habe an meinen Plattenspielern einen Regler, wo ich die Platte + / - 8 % in der Geschwindigkeit regulieren kann. In der Musik spricht man dabei vom „pitchen“. Damit bringe ich praktisch jeden Track in die richtige Geschwindigkeit. In der Praxis heißt dass, der eine tune ist mit 172 bpm produziert, der nächste mit 176 und ich spiele mein set aber meinetwegen mit 174 bpm´s. Dann muss ich den ersten Track um 2bpm hoch-pitchen und den anderen um 2bpm nach unten, damit ich dann bei denn 174 bpm´s lande. Das ganze mache ich rein nach gehör. Keine anzeige sagt mir welcher Track, gerade wie schnell läuft. Es gibt zwar so genannte „Beat-counter“ in der Branche, die dies tun könnten, aber die sind meist zu ungenau und steigen bei den schnellen Beats oft aus.

Außerdem sehe ich es als unprofessionell an, so einen Beatcounter zu verwenden und es wäre nicht mehr echt bzw. life. Kein DJ, der mit Vinyl auflegt macht das. Das verbietet sich von selbst. Und letztendlich hilft es auch niemand ernsthaft. Den Moment, wann man die neue Platte rein laufen lässt nimmt einem ja auch niemand ab.

Ich höre also ständig vor und überprüfe ob die nächste Platte auch tatsächlich die gleiche Geschwindigkeit hat, wie die, die grade läuft. Sonst  würde sie quasi raus laufen während des Übergangs. Entweder vor (laufen), oder zurück (laufen). Wenn so etwas passiert, hört es sich grauenvoll an (lacht). Das passiert Anfängern recht gern. Die Beats springen einem nur so um die Ohren und klingen ganz unkoordiniert und passen nicht mehr ineinander.

Es ist ein ständiges suchen nach dem richtigen Moment. Eine permanentes angespannt sein und Konzentration hoch zehn. Und das über 4,5 stunden. Das schlaucht  schon ganz schön. Alle 3 – 4 Minuten ein neuer Übergang und dazwischen prüfen, prüfen und nochmals prüfen ob die Geschwindigkeit der neuen Platte auch stimmt. Falls dann doch mal eine raus läuft, muss man sie wieder einfangen (grinst) Entweder die Platte vorsichtig bremsen oder leicht anschieben. Alles eine Frage des Gefühls und der Routine. Je nach dem, wo sie hinläuft.

WSL Team: Das klingt anstrengend

B.Fuse: Ja das ist es. Und wünscht euch nicht zu hören, was ich manchmal unter meinen Kopfhörern höre (lacht) Das passt oft so was von nicht zusammen (grinst) Aber dann kommt der Richtige Moment und der Mix beginnt. Manchmal geht’s ganz schnell, aber meistens dauern die Mixe so ca. 0,5 – 1,5 Minuten. Das macht auch jeder DJ unterschiedlich. Jeder hat seinen Stil. Es kommt aber auch auf das Stück an, was gerade läuft. Wenn sich verschiedene Tonarten kreuzen, hört es sich auch scheußlich an.

Deswegen ist das set auch ziemlich genau geplant und die Platten stehen genau in Reihenfolge in meinem Plattenkoffer sortiert. (Das mache ich gerade zurzeit in meinen Vorbereitungen. Ich bringe die Reihenfolge in meinen Plattenkoffer und suche die Tracks dazu genau aus). Ich kenne jeden Track in und auswendig.

WSL Team: Warum spielst Du nach wie vor mit Vinyl. Ist die Schallplatte nicht out. Ist die CD nicht angesagt oder gar das neuere Medium MP3 mit dem Labtop aufzulegen?

B.Fuse:  Vinyl ist einfach nach wie vor das Medium in der Clubszene. Es ist einfach das Medium schlecht hin unter Djs und es ist echt. Alles andere versucht sich einfach nur mit ihm zu messen.

Es gibt verschiedene Gründe für mich Musik mit nach wie vor mit Platten aufzulegen. Zum einen gibt es einfach die besten Tracks auf Vinyl. Dann lässt es sich besser mit Platten arbeiten. Ich sehe ständig wo ich im Track gerade bin und mich befinde. Wenn man gegen das licht schaut, sieht man dunkle und helle stellen auf den Schallplatten. Die dunklen stellen sind ruhige Parts in dem Stück, die hellen eher schnellere und beatlastige stellen. Auf einem CD-Player sieht man einfach nur die Zeit rückwärts laufen. Mehr nicht. Wenn ich mit CD auflege, muss ich den Track ganz genau kennen um einen Übergang zu planen. Vinyl klingt einfach auch anders. Wärmer und lebendiger als CD oder MP3.

Man muss sich vorstellen, dass die meisten Tracks mit 24 oder gar 32 Bit produziert werden. Das Medium CD verwendet aber nur 16 Bit. Das heißt eine ganze Menge an Information wird in einer CD Weggehschnitten. Deswegen hören sich CDs auch immer etwas kälter an als Schallplatten. Und MP3 ist noch mehr beschnitten. Diese ganzen Informationen bleiben bei der Platte erhalten.

Aber es ist natürlich ein Kostenfaktor auf Vinyl aufzulegen. Vinyl ist immer teurer. Die großen DJ´s lassen sich so genannte Dubplates schneiden. Das sind Vinyleinzellanfertigungen. Die kosten aber ein heiden Geld. Ich habe selber auch einige, aber wie schon gesagt.....teuer.

Ich bekomme viele Stücke von den Produzenten aus aller Welt zugesendet. Sprich teilweise kommen diese tunes erst in einem halben Jahr auf den Markt und ich habe sie dann schon hier bei mir. Aber eben auch nur als MP3 habe ich diese Tracks. Deswegen lege ich auch teilweise mit CD auf. Ich habe bei Wasserburg Leuchtet einen CD – Player. Er funktioniert ähnlich wie ein Plattenspieler. Die Tracks lassen sich da auch in der Geschwindigkeit verändern. Aber es ist trotzdem jedes Mal anders als mit Vinyl aufzulegen. Zu unpersönlich irgendwie ist die CD...

WSL Team: Du Produzierst ja auch. Was heißt eigentlich produzieren?

B.Fuse: Produzieren heißt einfach ein Stück selber machen. Einfach das machen, was andere dann auflegen. Wie ich es eben als DJ auch tue. Es fängt an die Sounds selber zu machen und zu designen. Zuerst baue ich die Drums bzw. Beats. Ich benutze selten Samples oder fertige Beats aus der Retorte. Das heißt jede Kickdrum, jede Snare, jede Hi Hat wird so gesetzt wie das ein echter Schlagzeuger tun würde. Dann kommen die Sounds. Dazu benutzt man Synthesizer. Jeder Synthy hat so genannte Presets. Das sind vom Werk aus eingebaute Grundtöne. Meine Synthys haben in der Regel so zwischen 100 und 500 Presets. Und diese kann ich dann nach Lust und Laune verändern wie ich das möchte. Und ich habe viele von diesen Synthesizern. Wer die Wahl hat, hat die Qual (lacht) Nein im ernst! Es ist ganz schön Erbsenzählerei. Sprich ich designe mir erst mal meinen Sounds. Also bin ich zuerst Sounddesigner. Dann komponiere ich den Track mit den verschieden Synthesizern. Da werden leads gemacht, Bassläufe, Flächen, Effekte und so weiter. Dies alles arrangiere ich dann in Verschieden Spuren in meinem Musikprogramm. Teilweise sind es 40 Spuren, die ich aufmache. Wie in einem echten großen Tonstudio. Die Arbeiten dort ganz genauso. Wenn ich komponiert habe, kommt der Produzent aus mir heraus. Sprich als nächstes bin ich selber derjenige der dem Komponisten (auch ich selbst) sage, was wieder rausfliegt aus dem Track und die Sache sehr nüchtern in Reine bringt und arrangiert, dass es sich gut anhört. Dann kommt der Tontechniker. Der bringt quasi noch nüchterner als der Produzent alles ins richtige Licht. Verschafft dem Track den nötigen Druck, Volumen, Räumlichkeit und macht, dass sich der Sound definiert  anhört. Das es kein kuddel-muddel wird. Sondern hinterher brillant anhört. Ich bin quasi vier Leute in einer Person.

WSL Team: Klingt spannend, aber auch nach viel Arbeit. Wie lange brauchst Du für so einen Track.

B.Fuse: Das kommt drauf an. Manchmal 4 Tage, manchmal 14. Je nach Aufwand. Ich lasse die Tracks auch oft ein paar Tage nur in Ruhe liegen. Einfach um meine Ohren und den Kopf wieder frei zu bekommen. Wenn man teilweise bis zu 14 std am Tag davor hockt, hört man einfach nicht mehr objektiv, was gut ist und was schlecht. Dann wird’s anstrengend und die Leichtigkeit geht verloren. Deswegen sollte man ab und an einen brake einlegen.

WSL Team: Was ist für die Zukunft geplant?

B.Fuse: Ich Arbeite gerade an einer Platte die ich im Herbst mit Busy Folks Records aus Berlin als Vinyl erscheinen lassen will. Ich habe dann auf der Platte noch einen zweiten Artist dabei. Er heißt LM1 und ist aus Edinburgh und ein guter befreundeter Produzent. Wir beide Arbeiten gerade an dem Projekt.

WSL Team: Hast du viele Kontakte zu Ausländischen Produzenten?

B.Fuse: Ja sehr viel. Hauptsächlich in England. Ist ja auch das Mutterland des Drumn Bass. Aber auch in USA, Australien, Moskau usw. Das Internet macht’s möglich (lacht)

WSL Team: Was kommt dieses Jahr bei WS Leuchtet auf uns zu?

B.Fuse: Na ich werde eher ruhig anfangen. Ich habe dieses Jahr wieder meinen Saxophonisten Thomas Binegger dabei. Der Thomas bringt noch einen Schlagzeuger mit und ich hoffe, dass mein MC von vor zwei Jahren dieses Jahr wieder kommt. Zusammen werden wir schon was auf die Beine stellen und Jamen (grinst)

WSL Team: Letzte Frage: Was war dein schlimmstes Erlebnis  bei WS Leuchtet, was dein Schönstes?

B.Fuse: Das schlimmste war 2004, als mir plötzlich meine Plattenkiste umgefallen ist und alles durcheinander war. Aber ich hab’s irgendwie gerettet. Das schönste, war 2006 als mein MC da war. Der hat so eine Stimmung gemacht, dass die Leute zum Schluss komplett durchgedreht sind und gejubelt haben, dass die Hofstadt gebebt hat (lacht)

WSL Team: Danke für das Gespräch.

B.Fuse: Kein Problem ich danke auch

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